Der geschundene Plettenberg

Panorama Holcim Steinbruch Plettenberg

Die Schwäbische Alb ist nicht der Tourismushotspot des Jahres 2021. Der Tourismus im südlichen Zipfel der Schwabenalb entwickelt sich erst. Oftmals Natur pur, määndernde Bäche und Flüsse, funktionierende Wälder, kaum Menschen, denen auf Wanderungen begegnet werden kann und jede Menge Geschichte. So richtig vorwärts kommt mensch beim Wandern nicht, es gibt an jeder Ecke was zu sehen. Und abseits der neuen Design-Wanderrouten, auf den alten Pfaden des Albvereins… Herrlich! Ameisenhaufen mannshoch (!), Fernblicke bis zu den Alpen. Ein Gebiet zum Verlieben. Herrlich!
Natürlich darf neben all den Naturschönheiten die Alb-Küche nicht vergessen werden – Spätzle, Maultaschen (auch vegetarisch zu bekommen!), die echten Donauwellen… Leute! Das Ergebnis: Äquatorialwachstum.

Die offene Wunde

Herbert Meyer in seinem Wanderführer Schwäbische Alb West: “Zumindest einmal im Leben sollte man dem vergewaltigten Berg aufs eingefallene Dach steigen, schon allein wegen der Aussicht.” (S. 48, 7. Auflage, 2019). Also, wenn der Berg nicht so soll ist, dann reicht ja auch ein trüber Regentag dafür aus… Das war eine klassische Fehleinschätzung.

Die offene Wunde des Plettenbergs, einem der 1000er der Region. Nein, er ist mit 1001,7 m nicht der höchste Berge der Alb, aber der – rein subjektiv – mit den interessantesten Talblicken und einer unglaublichen Artenvielfalt auf Kalk-Magerwiesen. Besiedelt von der Jungsteinzeit bis 1600, alemannische Gräber, Eisenverhüttung, Karsthöhle, die Reste einer mittelalterlichen Burg.

Die Firma Holcim betreibt seit 1942 auf dem Plettenberg einen Kalksteinbruch, der das Dach des Plettenberges wegfrisst und die “Krone” stehen lässt. Radlader schaufeln den durch Sprengung gebrochenen Kalk in Caterpillar Muldenkipper 772G. https://www.cat.com/de_DE/products/new/equipment/off-highway-trucks/off-highway-trucks/18549188.html

Knappe Seitenwände verbergen den unmittelbaren Blick

3000 Tonnen täglich

Motoren heulen auf, wenn die Muldenkipper die Steigung aus dem Steinbruch zum Brecher erklimmen. Und wieder wird ein Teil des Plettenbergs in kleine Stücke geschreddert, in die Loren der surrenden Seilbahn eintonnenweise gekippt und in den Schlund des Zementwerkes Dotternhausen der Firma HOLCIM talwärts transportiert. Und dort wird aus dem Plettenberg Zement, Zement für den Bau von Autobahnen, Häusern und alles, wozu man eben Zement benötigt.

Pro Tonne Zement 600 kg CO2

Dafür bedarf es Energie, inzwischen oftmals durch Sekundärbrennstoffe wie Altreifen, Öle oder auch Kunststoffe und Plastik des Grünen Punktes ergänzt. Hinzu kommt das bei der Zementherstellung selbst erzeugte CO2. Acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen gehen auf das Konto der Zementherstellung. Noch kleiner: Pro Tonne Zement entstehen 600 kg CO2 (1/3 Energie, 2/3 rohstoffbedingte Prozessemissionen). Für Deutschland heißt das: 20 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2019. Sicher, die Branche will grüner werden [https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/klimaschutz-klimakiller-beton-so-will-die-deutsche-zementindustrie-co2-neutral-werden-/26652040.html], aber:

Zuletzt am 19. Juli 2021 demonstrierten Umweltschützer:innen vor den Toren des Zementwerkes Dotternhausen. Die Bürger:innen wehren sich gegen den Kalkabbau und die durch Aktivist:innen vermuteten giftigen Gase durch die Zementherstellung, wobei sie nicht genau wissen, was tatsächlich in die Luft durch die wohl veralteten Filteranlagen geblasen wird. Dabei könnte es schon helfen, die stündlichen Abgaswerte zu veröffentlichen. Warum macht Holcim das als ökologisch orientiertes Unternehmen nicht? Sicher, die Grenzwerte für Zementfabriken werden bestimmt eingehalten. Aber allein das wäre ein Thema, das jeder/jedem Grünen im Musterländle die Zornesröte in das Gesicht treiben müsste. Über den Juli-Protest des Jahres berichtete auch der SWR, wenn auch nur kurz: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/tuebingen/demo-zementwerk-holcim-100.html

Und zu gerne möchte Holcim auch den Südteil des Plettenbergs zu Zement verarbeiten. Klar, die Bauindustrie boomt und die Zementnachfrage steigt weltweit. Beton wird auch zukünftig benötigt werden. Gerade auch in Hamburg.
Das Spreng- und erschütterungstechnische Gutachten enthält eine topografische Karte für den Überblick: https://www.rvna.de/site/Regionalverband+Neckar+Alb/get/params_E-712916539/12194850/Gutachten_SB_Plettenberg_Dotternhausen_Spreng_Erschuetterungstechnik.pdf
Stellen Sie sich den Plettenberg einfach als hohlen Zahn vor. Die Ränder stehen noch…

Und mit diesen frischen Eindrücken des geschundenen Plettenberges von der Schwabenalb von vor ein paar Tagen treffe ich im Hamburger Sandtorhafen am Donnerstag auf ein Müllsammelboot für die Philippinen, gesponsert von Holcim. Da klingelte was. Was wohl die Aktivist:innen von Dotternhausen davon halten?

Sie können sich über die folgenden Links gerne in die Thematik einlesen und dann selbst weiterforschen:

Leser:innenbriefe NUZ: https://www.nuz-ev.de/plettenbergabbau/leserbriefe/

Kalksteine im Oberjura. LGRB Wissen: https://lgrbwissen.lgrb-bw.de/rohstoffgeologie/rohstoffe-des-landes/kalksteine-im-oberjura

Firmengeschichte Rohrbach-Zement: https://www.holcim.de/sites/germany/files/atoms/files/geschichte_rohrbachzement.pdf

Das Holcim-Firmenjournal des Standortes Dotternhausen: https://www.holcim.de/sites/germany/files/atoms/files/standortmagazin_journal_2016-01.pdf

CIRCULAR EXPLORER

Hamburg. Solarbetrieben und mit modernster Antriebstechnik: die CIRCULAR EXPLORER, zu Gast in Hamburg. Unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit (Corona!) fand gestern die Taufe der CIRCULAR EXPLORER im Sandtorhafen statt. Gebaut wurde das elektrisch mit Solarenergie betriebene Müllsammelboot auf der Lübecker Yacht-Werft, die sich auf den Bau von Arbeitsboten aus Aluminium spezialisiert hat. Die CIRCULAR EXPLORER soll als Flaggschiff mit anderen Schwesternschiffen den Plastik-Müll in wärmeren Gewässern wieder einsammeln.

CIRCULAR EXPLORER – Führerhaus, rechts: Sortierband

Gemeinsame Auftraggeber sind die Umweltorganisation oeoo (One Earth – One Ocean e.V.) und der Schweizer Baukonzern HOLCIM. Bei dem Partner HOLCIM habe ich den – wie es in einem Reiseführer der Schwabenalb heißt – den “vergewaltigten” Plettenberg auf der Zollernalb und das Zementwerk von Dotternhausen mit seinen vermutlich giftigen Abgasen vor Augen. Herbert Meyer in seinem Wanderführer Schwäbische Alb West: “Zumindest einmal im Leben sollte man dem vergewaltigten Berg aufs eingefallene Dach steigen, schon allein wegen der Aussicht.” (S. 48, 7. Auflage, 2019). Und ja, ich war erst vor wenigen Tagen da, die Eindrücke sind frisch. Daher teile ich die Freude des Skippers über den Partner HOLCIM nicht uneingeschränkt.

Zurück zur CIRCULAR EXPLORER: Ihr Einsatzgebiet sind zukünftig die küstennahen Gewässer der Philippinen (Bucht vor der philippinischen Hauptstadt Manila), um dort Müll aus dem Meer zu fischen. Vorerst nimmt sie ihren Dienst aber in der Ostsee vor Fehmarn auf, um dort gemeinsam mit der Forschungstauchervereinigung, der Scientific Diving Association e.V. Kiel (SDA), nach Geisternetzen zu suchen und diese zu bergen. In der Tat sind aufgegebene Netze der Fischerei eine Plage: Netz bleibt Netz und wird auch ohne schleppenden Kutter für Meeresbewohner zur Falle. Im Ostseeraum muss aber auch damit gerechnet werden, dass sich Netze an alter, schnell entsorgter Munition verfangen haben könnten. Tauchen in der Ostsee birgt doch hin und wieder unangenehme Überraschungen. Für die Tauchgänge ist die CIRCULAR EXPLORER dann Tauchbasis. Im Anschluss ist die Meeresmüllsammlerin noch einmal zur Klimawoche 2021 in Hamburg zu Gast. Neben Müllsammlung und Bildung ist ein weiteres Aufgabengebiet die Meeresforschung.

CIRCULAR EXPLORER im Sandtorhafen

Technische Daten

Die technischen Daten wurden mit Sorgfalt aus öffentlich zugänglichen Quellen recherchiert und zusammengetragen. Kein Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit.  

Name:CIRCULAR EXPLORER (aktuell im AIS unter SEEKUH 2 solar)
Datum:2021-07-22
Typ:Arbeitsschiff/Müllsammelschiff
IMO:
MMSI:211820490
CallSign:DG9156
Baujahr:2021
Flagge:Deutschland
Länge:12 m
Breite:8 m
Tiefgang:0,7 m
Gewicht:7 t
Geschwindigkeit:9,7 kn
Kapazität:Reinigung Fläche: 21.000 m2/h
Reinigung Menge: 4300 kg/Tag Meeresmüll
Eis-Klasse: nein
Werft:Lübeck Yacht, Lübeck
Umwelt:Keine CO2-Emissionen im Normalbetrieb; Notaggregat vorhanden
Antrieb – Typ:elektrisch
Antrieb – Leistung/
Antrieb -Hersteller:
Solar panels: 64 m2, 360° drehbar, 33° aufrichtbar
Electric deep blue drive system von Torqeedo
zwei Elektromotoren mit je 55,1 kW
Spezial-Arbeitspropeller mit Schutzkäfig
Batterie:BMW i3 Lithium 40 kWh
10 h bis Vollladung
mit 3 kn: Erhaltungsladung
Investitionssumme:unbekannt
(für die SEEKUH werden 250.000 € berichtet: https://www.n-tv.de/wissen/Luebecker-Seekuh-soll-Weltmeere-saeubern-article16680236.html)
fotografiert am:2021-07-22
Wo?Sandtorhafen
Erstanlauf HH/ 
Jungernfahrt
2021-07-21
Jungfernfahrt, Erstanlau und Taufe
SonstigesKatamaran; modular aufgebaut, lässt sich zerlegen und passt damit in 2-3 Container;
manöverierbar bis Windstärke 9;
Aluminiumkonstruktion;
Toiletten: Dixi, bei Bedarf
https://www.holcim.com/sites/holcim/files/circular-economy/index.html#whatwe’redoing
Datenblatt CIRCULAR EXPLORER von anbinner.de

Und wie funktioniert das nun? Die CIRCULAR EXPLORER manövriert sich z. B. im Zielgebiet in die Strömung und greift über das Förderband den Müll auf. Alternativ fährt sie dem Müll hinterher. An Bord wird der Müll dann sortiert und in BigPacks verstaut. Wer machts? Geplant ist, dass einheimische Arbeitskräfte diesen Job übernehmen. Sie werden dafür über Mindestlohn bezahlt.

Erstfrühling

Die weißen Sternchen der Buschwindröschen auf den Buchenwaldlichtungen künden vom Frühling. Endlich! Der gesamte Corona-Driss in Kombination mit Hamburch-Grau und feuchter Luft haben doch schon sehr die Gute-Laune-Ressourcen verbrannt. Aber nun wird aufgetankt!

Doch Vorsicht! Buschwindröschen oder auch Anemone nemorosa aus der Familie der Hahnenfußgewächse sind in allen Teilen giftig! Sie enthalten das Gift Protoanemonin, das bei Verletzung der Pflanze frei gesetzt wird. Ja, auch beim Pflücken, obwohl Sie das ja gar nicht dürfen, denn die Anemonen stehen unter Naturschutz. Zurück zum Pro-to-a-ne-mo-nin: Äußerliche Vergiftungserscheinungen zeigen sich z. B. in Form von Rötung, Juckreiz oder gar Blasenbildung der Haut. Kleinkinderhände sind besonders empfindlich! Verschlucken schlägt auf das Nervensystem. Die möglichen Wirkungen: Lähmungserscheinungen und Schwindelanfällen oder auch Erbrechen und Durchfall.

Wenn trotz aller Vorsicht doch eine Person Kontakt mit dem Protoanemonin hatte und Vergiftungserscheinungen zeigt, ziehen Sie bitte sofort eine Ärztin, einen Arzt hinzu. Vorab schon einmal das Giftdatenblatt zur Grundinformation, damit Sie gewappnet sind: protoanemonin.pdf (toxcenter.org)

Zudem hat sich das Buschwindröschen eine pfiffige Überlebensstrategie ausgedacht: Es blüht, wenn die Laubbäume noch keine Blätter tragen (Geophyt). So kann es das Frühlingslicht voll nutzen. Wenn sich die Blätter der Bäume ausbilden und den Waldboden beschatten, zieht es sich zurück, alle oberirdischen Pflanzenteile sterben ab und verlieren dann auch ihre Giftigkeit. Unterirdisch verzweigen sich indes die Rhizomwurzeln und sorgen im nächsten Frühjahr für noch mehr Buschwindröschen.

Doch jetzt kann die filigrane Schönheit zuerst einmal bewundert werden Sechs bis acht – manchmal sogar bis zu zwölf Blütenblätter umringen und schützen die gelben Staubgefäße. Bei Regen macht das Buschwindröschen einfach dicht. Übrigens schließt es auch seine Blüte in der Nacht. Normalerweise hat jede Pflanze nur eine Blüte, sehr selten sind es zwei Blüten. Umso schöner sind dann die Blütenteppiche zu bewundern, die sich nun in den nächsten Tagen bei frühlingshaften Temperaturen sprunghaft – quasi exponentiell – ausbreiten werden. Und auch für das Wild bedeutet das Erscheinen der auch Hexenblume, Märzenblume, Fettblume, Witte Oeschken oder auch Osterblome genannten Anemone: Es ist Erstfrühling, die Notzeit ist vorbei. Corona-Driss, Hamburchgrau und feuchte Luft? Ach was: FRÜHLING!

Erstveröffentlichung: 2021-03-29

Denkbar?

Hamburg. Seit Dienstag (2021-03-23)* steckt die EVER GIVEN im Suez-Kanal fest und blockiert den freien Fluss der Waren. Hätte das auch auf der Elbe in Hamburg passieren können? Noch zu frisch sind die Erinnerungen an die zerquetschte HADAG-Fähre FINKENWERDER (2019-02-19) durch die EVER GIVEN.

Die beschädigte MS Finkenwerder am Steendiekkanal in Finkenwerder

Garret Dash Nelson hat nun eine Anwendung erstellt, die es ermöglicht, die EVER GIVEN an diverse Orte der Welt zu transferieren:

Why should the Suez Canal have all the fun? From the comfort of home you can get the Ever Given stuck wherever you want it. Drag and zoom the map to move this big old boat somewhere else. Click the rotate button to get it wedged perfectly.

https://evergiven-everywhere.glitch.me/

Aus nachvollziehbaren Gründen hier das Beispiel Hamburg. Denkbar oder nicht? Und wenn ja: Wie wäre der Ablauf bei einem solchen Unglück in einer dicht besiedelten Stadt? Möglicherweise mit Gefahrgütern an Bord?

Aber testen Sie die WebApp selbst aus: https://evergiven-everywhere.glitch.me/

*Erstveröffentlichung am 2021-03-28

Sikorsky CH-53 84+30

Finkenwerder. Sieht schon sehr bullig aus, so ein Sikorsky CH-53 im An- und Vorbeiflug. Bei der Bundeswehr wird dieses Gerät als Transporthubschrauber eingesetzt. Heute Mittag* die 84+30 im Überflug “erwischt”. Die Marschgewindigkeit liegt bei 215 km/h; 5,5 t Nutzlast können geflogen werden. Dafür benötigen die zwei 4.330 PS-Triebwerke dann auch 800 Liter Kraftstoff. Zur Größe: 22,02 m Hauptrotor, 26,87 m lang.Schlagwörter: 

*Erstveröffentlichung: 2021-03-29

Himmelsbotschaften

Drei Tage (01.03.-02.03.2021)* wenig Wind und nahezu blauer, frühlingshafter Himmel über Hamburg: Perfektes Flugwetter für die Skytexter aus Unterwössen (Traunstein), um eine Werbebotschaft für einen Streamingdienst zu verbreiten.

Zunächst ist nur ein monotones Brummeln aus scheinbar großer Entfernung zu hören. Beim Blick nach oben, sind in großer Höhe – etwa 3000 m – fünf, nein sechs kleine Flugzeuge auszumachen. Plötzlich hinterlässt einer der Flieger einen weißen Punkt, danach stoßen auch alle anderen Flieger nach Plan weiße Zeichen in Form von mehr oder weniger langen Linien aus. Es formen sich Buchstaben, danach Worte, dann eine Wortgruppe. Satzzeichen fehlen.

Die Aufmerksamkeit dieser Form der Werbung ist gesichert. Natürlich schauen die Menschen nach oben. Auch im fluglärmgeschädigten Niendorf ist das der Fall. Der Überraschungsmoment zählt. Handyvideos werden aufgenommen und natürlich in SocialMedia geteilt, Grundschulkinder versuchen das Geschriebene zu erkennen und buchstabieren teilweise mühevoll (Corona-Folgen?). Schon nach kurzer Zeit verdünnen sich die Schriftzeichen am Himmel. Zurück bleibt – von unten aus betrachtet – Nichts.

Was fliegt denn da?

Für die Botschaften auf Bestellung nutzen die Skytexter sechs einmotorige Kleinflugzeuge, wobei ein Führungsflugzeug fünf „Texter“ kommandiert. Die Aufnahmen entstanden am 02.03.2021. An diesem Tag waren die folgenden Flugzeuge im Einsatz, wobei der Einfachheit halber grobe optische Unterschiede die Identifikation aus der Untersicht erleichtern sollen:

  • Führungsmaschine (einzeln fliegend): D-ENVY, Extra EA 300L (unsicher, Erkennung schwierig)
  • violett-schwarz gestreift: D-EXTI, XtremeAir XA41
  • Schachbrettmuster: D-EIXA, XtremeAir Sbach 342
  • grün-gelb: D-EXRI, Extra EA 300
  • rot(-weiß): D-EXKS, Extra EA 300 LP
  • Doppelddecker mit Sternchen: N912ST, Pitts S-2B Special

Wer fliegt?

Besetzt seien die Flugzeuge mit erfahrenen Kunstflugpilot:innen. Fliegerisches Können, gepaart mit Präzision und Vertrauen im Team, seien Voraussetzung für diese Form des Fliegens, erklärte Tim Tibo, hauptberuflicher Airbus-Kapitän und Kopf der Skytexter in einem Galileo-Beitrag [https://www.galileo.tv/video/skytexter-wie-funktioniert-das/].

Wie wird geflogen?

Die Maschinen steigen auf etwa 3000 Meter Höhe, richten sich in Linie bei einer Geschwindigkeit von 250 km/h aus, halten einen Abstand von 40 bis 50 Metern zum Nachbarn. Alle Maschinen sind per WiFi miteinander verbunden. Aus der Führungsmaschine heraus werden mittels Computerprogramm die Rauchsysteme entsprechend des beabsichtigten Zeichens gestartet. Die Buchstaben haben eine Ausdehnung von etwa 200 mal 200 Metern. Allein die freundliche Begrüßung „Moin Hamburg“ kommt so auf eine Länge von ca. 2400 Metern!

Wo wird geflogen?

Ideale Orte für das Skytexten sind Metropol- oder Tourismusregionen, Hafengeburtstage, Messen, Konzerte, Festivals, Fußballevents… Sicher macht es keinen Sinn über Gebieten zu skytexten, in denen die Besiedlung nur dünn ist.

Das Rauchsystem

In den heißen Abgasstrom der Motoren des Quintetts wird in programmierten Abständen medizinisches Weißöl injiziert. Dieses Weißöl verdampft in der Hitze des Abgasstroms und hinterlässt eine weiße Rauchfahne. Zeit und Menge müssen präzise gesteuert werden. Die Schrift soll weder zu dick, noch zu dünn oder nach alter Tintendruckermanier ausgefranst am Himmel stehen.

Das medizinische Weißöl – ein Paraffin ohne Aromaten und Schwefelverbindungen – ist geruchs-, geschmacks- und farblos. Es darf auch in der Lebensmittelindustrie oder Kosmetik eingesetzt werden.

Und was ist mit der Umwelt?

Auf ihrer Internetseite gehen die Skytexter auf diese Frage ein. Die Maschinen flögen CO2-neutral durch eine Kooperation mit dem Partner ClimatePartner.

Das im Rauchsystem verwendete medizinische Weißöl löse sich ohne Rückstände in der Höhenluft auf und stelle keine Gefahr für die Gesundheit oder die Umwelt dar.

Eine Kompensation für zusätzlichen Fluglärm gibt es nicht. Und natürlich darf die Frage gestellt werden: Braucht es das Skytexten überhaupt?

Was kostet das?

Gegenüber dem ORF Salzburg erklärte Tim Tibo: „Wir haben gleich fünf solcher Kunstflugmaschinen im Einsatz und liegen damit pro Einsatzstunde bei insgesamt 8.000 bis 10.000 Euro. An den Orten bzw. der Anreise dorthin orientieren sich dann auch die Gesamtkosten.“ [https://salzburg.orf.at/stories/3062571/]

Alternativen

Früher gab es Bannerschlepp: ein Kleinflugzeug müht sich mit einem Transparentbanner und umkreist mehrfach das Zielgebiet. Problem: Eine Seite kann die Botschaft immer nur spiegelverkehrt erkennen und zum anderen nervt es, da die Flughöhe eher gering ausfällt, da sonst die Botschaft nicht zu erkennen ist.

Denkbar wäre auch, eine Kunstflugstaffel zu engagieren, die sogar in Schreibschrift Text oder in Schnörkeln Symbole etc. an den Himmel schreiben könnte. Das macht z. B. das Acroteam aus Meschede (Sauerland).

Weniger auf den Augenblick, sondern mehr auf die Langzeitwirkung gerichtet, sind sogenannte Radarplots oder die Radarmalerei. Dazu fliegen Pilot:innen eine zuvor per GPS programmierte Route ab, die verschiedene Formen und Muster enthalten kann und am Boden von Radargeräten aufgezeichnet und als Flugspur in entsprechenden Programmen oder auf Webseiten ausgegeben wird. Hier ist der Kreis derer, die Kenntnis davon erhalten, im Verhältnis zum Skytexten sehr klein.

Skytexter Website: https://skytexter.com

*Erstveröffentlichung am 2021-03-10

Airbus Beluga XL #3 F-GXLI

Finkenwerder. Noch ein Lastesel der Lüfte flog heute vor die Linse: ein Beluga XL – der mit dem freundlichen Wal-Gesicht. Der Airbus A330-743L Beluga XL oder auch A337 ist 63,1 Meter lang, 8,8 Meter breit und bietet nach Herstellerangaben den “größte(n) Frachtraum-Querschnitt aller weltweit existierenden Frachtflugzeuge.”1 Zwei A-350 Tragflächen passen rein, alternativ transportiert der lächelnde Delphin mit 60,3 m Spannweite auch 51 Tonnen Nutzlast bis zu 4000 Kilometer weit.

Die Nummer 3, seit Juni 2020 in der Luft, kam heute* aus Toulouse, machte Mittag in Finkenwerder und flog dann nach Nantes weiter.

*Erstveröffentlichung: 2021-03-29

1 https://www.airbus.com/newsroom/press-releases/en/2020/01/airbus-belugaxl-enters-service-adding-xl-capacity-to-the-fleet.html

Kreuzspinne bei der Netzreparatur

Spinnlein am Abend…

erquickend und labend, weiß der Volksmund. Nur hat er vergessen, dass sich die Redewendung tatsächlich nicht auf Spinnentiere bezieht, sondern auf das Spinnen, und zwar die Sache mit dem Spinnrad und der Wolle.

Das Original: Spinne(n) am Morgen bringt Kummer und Sorgen – Spinne(n) am Abend, erquickend und labend. Und da die Tätigkeit des Spinnens nur noch sachkundigen Menschen vorbehalten ist, deren Zahl doch eher als gering einzuschätzen ist, ging die eigentliche Bedeutung der Redewendung über die Jahrhunderte verloren.

Ursprünglich bezog sich die Redewendung auf den Zeitpunkt der Arbeit: Wer bereits morgens spinnen musste, war mit großer Sicherheit bitter arm und musste schon früh am Morgen beginnen, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Spinnerinnen, die erst am Abend zu spinnen begannen, konnten es sich leisten, waren eher wohlhabend. Sie saßen in größeren oder kleineren Runden zusammen, gestalteten ihre Abend-Freizeit, quasi ein Mädelsabend mit viel Schnack – eben erquickend und labend.

UHL FAITH

Hamburg/Nienstedten/Teufelsbrück. Momentan* sind maritime Ereignisse in Hamburg durchaus knapp. Umso mehr interessiert dann die Jungfernfahrt mit Taufe der UHL FAITH in Hamburg.

Weiterlesen

Editorial

Moin, Hamburg!

Aller Anfang ist schwer, besonders, wenn es mehrfach versucht wird. Dennoch: Der Wille existiert, es soll voran gehen. Aktuell ringe ich noch mit der CSP (Content Security Police) für anbinner.de. Wird diese korrekt implementiert, funktionieren wichtige Elemente der Website nicht mehr. Zum Haareraufen! Daher bitte ich um Nachsicht, wenn in den nächsten Tagen auf anbinner.de experimentiert wird.

So sähe es wunschgemäß aus…
Quelle: https://webbkoll.dataskydd.net/

Allerdings: keine Cookies, keine Referrer, keine Drittanfragen und https-Verschlüsselung sind schon jetzt selbstverständlich. Ach ja: Und Werbung für fliegende Teppiche gibt es hier auch nicht. Versprochen.

Was es hier zu sehen und lesen gibt

Viel, viel Hamburg: von StadtNatur über StadtKunst und Denkmale der Stadt. Und natürlich fehlen die “dicken Pötte” nicht.

Und sonst? Hin und wieder ist Anbinner auch andernorts unterwegs. Selbstverständlich ist die Kamera dabei.

Mit den Gedankensplittern ist das so eine Sache. Manchmal brechen sie sich Bahn und sind rein subjektiver Natur.

Schön, dass Sie da sind!