CIRCULAR EXPLORER

Hamburg. Solarbetrieben und mit modernster Antriebstechnik: die CIRCULAR EXPLORER, zu Gast in Hamburg. Unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit (Corona!) fand gestern die Taufe der CIRCULAR EXPLORER im Sandtorhafen statt. Gebaut wurde das elektrisch mit Solarenergie betriebene Müllsammelboot auf der Lübecker Yacht-Werft, die sich auf den Bau von Arbeitsboten aus Aluminium spezialisiert hat. Die CIRCULAR EXPLORER soll als Flaggschiff mit anderen Schwesternschiffen den Plastik-Müll in wärmeren Gewässern wieder einsammeln.

CIRCULAR EXPLORER – Führerhaus, rechts: Sortierband

Gemeinsame Auftraggeber sind die Umweltorganisation oeoo (One Earth – One Ocean e.V.) und der Schweizer Baukonzern HOLCIM. Bei dem Partner HOLCIM habe ich den – wie es in einem Reiseführer der Schwabenalb heißt – den “vergewaltigten” Plettenberg auf der Zollernalb und das Zementwerk von Dotternhausen mit seinen vermutlich giftigen Abgasen vor Augen. Herbert Meyer in seinem Wanderführer Schwäbische Alb West: “Zumindest einmal im Leben sollte man dem vergewaltigten Berg aufs eingefallene Dach steigen, schon allein wegen der Aussicht.” (S. 48, 7. Auflage, 2019). Und ja, ich war erst vor wenigen Tagen da, die Eindrücke sind frisch. Daher teile ich die Freude des Skippers über den Partner HOLCIM nicht uneingeschränkt.

Zurück zur CIRCULAR EXPLORER: Ihr Einsatzgebiet sind zukünftig die küstennahen Gewässer der Philippinen (Bucht vor der philippinischen Hauptstadt Manila), um dort Müll aus dem Meer zu fischen. Vorerst nimmt sie ihren Dienst aber in der Ostsee vor Fehmarn auf, um dort gemeinsam mit der Forschungstauchervereinigung, der Scientific Diving Association e.V. Kiel (SDA), nach Geisternetzen zu suchen und diese zu bergen. In der Tat sind aufgegebene Netze der Fischerei eine Plage: Netz bleibt Netz und wird auch ohne schleppenden Kutter für Meeresbewohner zur Falle. Im Ostseeraum muss aber auch damit gerechnet werden, dass sich Netze an alter, schnell entsorgter Munition verfangen haben könnten. Tauchen in der Ostsee birgt doch hin und wieder unangenehme Überraschungen. Für die Tauchgänge ist die CIRCULAR EXPLORER dann Tauchbasis. Im Anschluss ist die Meeresmüllsammlerin noch einmal zur Klimawoche 2021 in Hamburg zu Gast. Neben Müllsammlung und Bildung ist ein weiteres Aufgabengebiet die Meeresforschung.

CIRCULAR EXPLORER im Sandtorhafen

Technische Daten

Die technischen Daten wurden mit Sorgfalt aus öffentlich zugänglichen Quellen recherchiert und zusammengetragen. Kein Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit.  

Name:CIRCULAR EXPLORER (aktuell im AIS unter SEEKUH 2 solar)
Datum:2021-07-22
Typ:Arbeitsschiff/Müllsammelschiff
IMO:
MMSI:211820490
CallSign:DG9156
Baujahr:2021
Flagge:Deutschland
Länge:12 m
Breite:8 m
Tiefgang:0,7 m
Gewicht:7 t
Geschwindigkeit:9,7 kn
Kapazität:Reinigung Fläche: 21.000 m2/h
Reinigung Menge: 4300 kg/Tag Meeresmüll
Eis-Klasse: nein
Werft:Lübeck Yacht, Lübeck
Umwelt:Keine CO2-Emissionen im Normalbetrieb; Notaggregat vorhanden
Antrieb – Typ:elektrisch
Antrieb – Leistung/
Antrieb -Hersteller:
Solar panels: 64 m2, 360° drehbar, 33° aufrichtbar
Electric deep blue drive system von Torqeedo
zwei Elektromotoren mit je 55,1 kW
Spezial-Arbeitspropeller mit Schutzkäfig
Batterie:BMW i3 Lithium 40 kWh
10 h bis Vollladung
mit 3 kn: Erhaltungsladung
Investitionssumme:unbekannt
(für die SEEKUH werden 250.000 € berichtet: https://www.n-tv.de/wissen/Luebecker-Seekuh-soll-Weltmeere-saeubern-article16680236.html)
fotografiert am:2021-07-22
Wo?Sandtorhafen
Erstanlauf HH/ 
Jungernfahrt
2021-07-21
Jungfernfahrt, Erstanlau und Taufe
SonstigesKatamaran; modular aufgebaut, lässt sich zerlegen und passt damit in 2-3 Container;
manöverierbar bis Windstärke 9;
Aluminiumkonstruktion;
Toiletten: Dixi, bei Bedarf
https://www.holcim.com/sites/holcim/files/circular-economy/index.html#whatwe’redoing
Datenblatt CIRCULAR EXPLORER von anbinner.de

Und wie funktioniert das nun? Die CIRCULAR EXPLORER manövriert sich z. B. im Zielgebiet in die Strömung und greift über das Förderband den Müll auf. Alternativ fährt sie dem Müll hinterher. An Bord wird der Müll dann sortiert und in BigPacks verstaut. Wer machts? Geplant ist, dass einheimische Arbeitskräfte diesen Job übernehmen. Sie werden dafür über Mindestlohn bezahlt.