Erstfrühling

Die weißen Sternchen der Buschwindröschen auf den Buchenwaldlichtungen künden vom Frühling. Endlich! Der gesamte Corona-Driss in Kombination mit Hamburch-Grau und feuchter Luft haben doch schon sehr die Gute-Laune-Ressourcen verbrannt. Aber nun wird aufgetankt!

Doch Vorsicht! Buschwindröschen oder auch Anemone nemorosa aus der Familie der Hahnenfußgewächse sind in allen Teilen giftig! Sie enthalten das Gift Protoanemonin, das bei Verletzung der Pflanze frei gesetzt wird. Ja, auch beim Pflücken, obwohl Sie das ja gar nicht dürfen, denn die Anemonen stehen unter Naturschutz. Zurück zum Pro-to-a-ne-mo-nin: Äußerliche Vergiftungserscheinungen zeigen sich z. B. in Form von Rötung, Juckreiz oder gar Blasenbildung der Haut. Kleinkinderhände sind besonders empfindlich! Verschlucken schlägt auf das Nervensystem. Die möglichen Wirkungen: Lähmungserscheinungen und Schwindelanfällen oder auch Erbrechen und Durchfall.

Wenn trotz aller Vorsicht doch eine Person Kontakt mit dem Protoanemonin hatte und Vergiftungserscheinungen zeigt, ziehen Sie bitte sofort eine Ärztin, einen Arzt hinzu. Vorab schon einmal das Giftdatenblatt zur Grundinformation, damit Sie gewappnet sind: protoanemonin.pdf (toxcenter.org)

Zudem hat sich das Buschwindröschen eine pfiffige Überlebensstrategie ausgedacht: Es blüht, wenn die Laubbäume noch keine Blätter tragen (Geophyt). So kann es das Frühlingslicht voll nutzen. Wenn sich die Blätter der Bäume ausbilden und den Waldboden beschatten, zieht es sich zurück, alle oberirdischen Pflanzenteile sterben ab und verlieren dann auch ihre Giftigkeit. Unterirdisch verzweigen sich indes die Rhizomwurzeln und sorgen im nächsten Frühjahr für noch mehr Buschwindröschen.

Doch jetzt kann die filigrane Schönheit zuerst einmal bewundert werden Sechs bis acht – manchmal sogar bis zu zwölf Blütenblätter umringen und schützen die gelben Staubgefäße. Bei Regen macht das Buschwindröschen einfach dicht. Übrigens schließt es auch seine Blüte in der Nacht. Normalerweise hat jede Pflanze nur eine Blüte, sehr selten sind es zwei Blüten. Umso schöner sind dann die Blütenteppiche zu bewundern, die sich nun in den nächsten Tagen bei frühlingshaften Temperaturen sprunghaft – quasi exponentiell – ausbreiten werden. Und auch für das Wild bedeutet das Erscheinen der auch Hexenblume, Märzenblume, Fettblume, Witte Oeschken oder auch Osterblome genannten Anemone: Es ist Erstfrühling, die Notzeit ist vorbei. Corona-Driss, Hamburchgrau und feuchte Luft? Ach was: FRÜHLING!

Erstveröffentlichung: 2021-03-29